Das Mondraker Dusty RR ist ein E-Gravelbike mit Carbonrahmen, Hinterradnabenmotor und 13,1 Kilogramm Systemgewicht. Seit April 2024 läuft es in unserer Redaktion als Dauertestrad. Nach den ersten 1.050 Kilometern und rund 11.600 Höhenmetern lässt sich sagen, wo dieses Konzept trägt – und wo es an seine Grenzen stößt.
Warum ausgerechnet ein E-Gravelbike?
Gravelbikes mit Motor sitzen zwischen allen Stühlen. Sie sind schwerer als ein reines Gravelrad, schwächer als ein E-Mountainbike und teurer als beides. Genau darin liegt aber ihr Zweck: Sie verlängern den Radius, ohne den Charakter des Rades zu zerstören.
Der Dusty kam 2023 als erstes Gravelbike des spanischen Herstellers Mondraker auf den Markt. Statt eines Mittelmotors sitzt ein MAHLE X20 in der Hinterradnabe. Das Rahmenkit wiegt laut Hersteller knapp 1.298 Gramm, das komplette Antriebssystem rund 3,6 Kilogramm inklusive 350-Wattstunden-Akku. Unser Testrad in Größe L brachte 13,1 Kilogramm auf die Waage – ohne Pedale, mit Tubeless-Milch.
Gekauft wurde das Rad im April 2024 als Modelljahr 2023 aus dem Abverkauf. Statt der 6.299 Euro UVP standen 4.999 Euro auf der Rechnung. Wer beim E-Bike-Kauf ein Jahr Geduld mitbringt, spart hier regelmäßig einen vierstelligen Betrag, ohne technische Abstriche zu machen.
Der Antrieb: leise, unauffällig, begrenzt
Der MAHLE X20 gibt 23 Newtonmeter direkt an der Nabe ab. MAHLE stellt das der Wirkung eines Mittelmotors mit rund 55 Newtonmetern gegenüber – ein Vergleichswert, kein Messwert. In der Praxis bedeutet das: Das Rad fährt sich wie ein Gravelbike, dem jemand dauerhaft 200 bis 250 Watt zusteckt.
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens die Geräuschkulisse: Der Nabenmotor ist deutlich leiser als jeder Mittelmotor, den wir bisher gefahren sind. Zweitens fehlt der Kettenzug. Weil der Motor hinter dem Antrieb sitzt, bleibt die Kette unbelastet von der Motorleistung – das Tretgefühl bleibt sauber.
Die Grenze zeigt sich am steilen Berg. Ab etwa 12 Prozent Steigung geht dem Nabenmotor bei niedriger Trittfrequenz die Luft aus, und bei Schaltvorgängen unter Last bricht die Unterstützung kurz weg. Das deckt sich mit den Beobachtungen der Fachpresse. Wer regelmäßig steile Rampen fährt, ist mit einem Mittelmotor besser bedient.
Geometrie: Mountainbike-Erbe im Drop-Bar
Mondraker überträgt seine Forward Geometry auf das Gravelbike. Der Lenkwinkel liegt bei 70 Grad, die Kettenstreben sind mit 425 Millimetern kurz, der Reach fällt lang aus – in Größe L sind es 424 Millimeter bei 595 Millimetern Stack. Ausgeglichen wird das durch einen kurzen Vorbau von 80 Millimetern.
Das Ergebnis ist ein Rad, das auf Schotterabfahrten deutlich ruhiger liegt als klassische Gravelbikes mit steilerem Lenkwinkel. Der Radstand von 1.082 Millimetern in Größe L trägt seinen Teil dazu bei. Der Preis dafür: In engen Kehren und im Stadtverkehr wirkt das Rad träger als ein Renngraveler.

Die Reifenfreiheit von bis zu 45 Millimetern ist großzügig genug für die meisten Einsätze. Serienmäßig rollt die RR-Version auf Maxxis Rambler in 700 × 40. Für unser Testgewicht von 82 Kilogramm haben sich 2,3 Bar vorn und 2,6 Bar hinten als bester Kompromiss zwischen Komfort und Pannenschutz erwiesen.
Der Vergleich: vier Räder, vier Philosophien
Ein E-Gravelbike lässt sich nicht sinnvoll isoliert bewerten. Erst der Blick auf die Konkurrenz zeigt, welche Kompromisse Mondraker eingegangen ist.
Das Orbea Gain M30 nutzt denselben MAHLE-Antrieb, ist etwas leichter und war 2024 mit 5.599 Euro günstiger. Es ist allerdings deutlich straßenlastiger ausgelegt. Das Specialized Turbo Creo 2 Comp setzt auf den Mittelmotor SL 1.2 mit 50 Newtonmetern, wiegt mit 14,5 Kilogramm gut anderthalb Kilo mehr und kostet rund 6.500 Euro.
Ganz am anderen Ende steht das Cannondale Topstone Neo Carbon Lefty 3: Bosch Performance CX, 500 Wattstunden, 17,9 Kilogramm, 6.099 Euro. Das ist kein Gravelbike mehr im engeren Sinn, sondern ein leichtes Trekking-E-Bike mit Rennlenker. Wer Reichweite und Drehmoment braucht, fährt damit besser. Wer ein Rad will, das sich ohne Motor noch wie ein Rad anfühlt, nicht.
Und dann ist da noch der Vergleich, den viele scheuen: ein Gravelbike ohne Motor wiegt rund 8 Kilogramm und kostet einen Bruchteil. Die ehrliche Antwort nach 1.050 Kilometern lautet, dass der Motor auf 60-Kilometer-Runden mit 800 Höhenmetern kaum vermisst wird. Sinn ergibt er dort, wo das Rad ein Auto ersetzt – im Pendelverkehr, auf dem Weg zur Arbeit, beim Transport von Gepäck. Wie stark solche Verlagerungen die persönliche Bilanz verändern, zeigt auch die Debatte darüber, wie der Klimawandel unsere Zukunft beeinflusst.
Ausstattung: solide, mit einer Lücke
Die RR-Version bekommt eine SRAM Rival eTap AXS mit zwölf Gängen und einer 10-52-Kassette, hydraulische Scheibenbremsen und Mavic-Allroad-Laufräder. Die elektronische Schaltung arbeitet auch nach 1.050 Kilometern präzise, die Bandbreite reicht für alles, was ein Gravelbike befahren sollte.
Die Lücke heißt Federgabel. Mondraker reserviert die RockShox Rudy Ultimate mit 40 Millimetern Federweg und die Variostütze dem Topmodell XR für 9.999 Euro. Am RR federt allein der Reifen. Auf gutem Schotter reicht das, auf Wurzelpassagen und grobem Bruchschotter fehlt spürbar Reserve.
Zwischenfazit nach 1.050 Kilometern
Das Mondraker Dusty RR macht genau das, wofür ein leichtes E-Gravelbike gebaut wird. Es fährt sich wie ein Gravelbike, nicht wie ein E-Bike mit Lenkerhörnchen. Der Antrieb bleibt im Hintergrund, das Fahrwerk ist auf Abfahrt ausgelegt, die Ausstattung passt zum Preis – erst recht zum Abverkaufspreis.
Wer maximale Reichweite, maximales Drehmoment oder eine Federgabel braucht, wird an anderer Stelle glücklicher. Wer ein Rad sucht, das den Aktionsradius erweitert, ohne die Fahrdynamik zu opfern, findet hier eines der stimmigsten Angebote des Modelljahres 2023. Die Reihe wird in den kommenden Wochen fortgesetzt: mit Messungen zum Antrieb, zur Trainingswirkung, zur Wartung und zu den tatsächlichen Kosten.
Häufige Fragen zum Mondraker Dusty RR
Wie schwer ist das Mondraker Dusty RR wirklich?
Unser Testrad in Größe L wog 13,1 Kilogramm ohne Pedale. Der Hersteller nennt für die Einstiegsversion Dusty R 12,6 Kilogramm und für das Topmodell XR 13,8 Kilogramm. Damit liegt das Rad im Mittelfeld der leichten E-Gravelbikes und rund fünf Kilogramm über einem vergleichbaren Gravelbike ohne Motor.
Wie weit kommt man mit einer Akkuladung?
Das hängt fast ausschließlich vom Höhenprofil ab. In der mittleren Unterstützungsstufe erreichten wir bei gemischtem Gelände 62 Kilometer mit 950 Höhenmetern. Flach und sparsam gefahren waren 108 Kilometer möglich, im alpinen Gelände nur 41 Kilometer. Der Range Extender erhöht die Kapazität auf 521 Wattstunden.
Lohnt sich der Aufpreis zum Dusty XR?
Der XR kostet mit 9.999 Euro rund 3.700 Euro mehr und bringt dafür eine RockShox-Federgabel, eine Variostütze und die höherwertige SRAM Force. Für Fahrer, die überwiegend auf technischem Terrain unterwegs sind, ist das ein echter Gewinn. Für Schotterwege, Feldwege und Pendelstrecken rechtfertigt der Zugewinn den Aufpreis nicht.
Kann man mit dem Dusty auch ohne Motorunterstützung fahren?
Ja, und zwar besser als mit den meisten Mittelmotor-Rädern. Der Nabenmotor erzeugt im ausgeschalteten Zustand kaum spürbaren Widerstand, und die Kette bleibt vom Antrieb unbeeinflusst. Bei 13,1 Kilogramm bleibt das Rad auch ohne Strom fahrbar – anders als ein 18-Kilogramm-Rad mit Mittelmotor.
Welche Reifenbreite passt in den Rahmen?
Mondraker gibt für den Dusty eine Reifenfreiheit von bis zu 45 Millimetern an, in Tests wurden auch 47 Millimeter genannt. Serienmäßig sind auf der RR-Version Maxxis Rambler in 700 × 40 montiert. Wer viel auf grobem Untergrund fährt, gewinnt mit breiteren Reifen deutlich an Komfort, weil eine Federgabel fehlt.

